Der Blog von Felicitas Heyne

Warum Sie sich immer wieder in die falschen Männer verlieben - und wie Sie das Beziehungsmuster verstehen

Geschrieben von Felicitas Heyne | May 5, 2026 3:48:57 PM

Am Anfang fühlt es sich immer ungemein stimmig an: Da ist diese besondere Intensität, dieses Gefühl von Nähe, das schneller entsteht als sonst. Die Hoffnung, dass es diesmal wirklich passen könnte.

Und dann wiederholt sich etwas, das Sie schon kennen: Der Kontakt wird unregelmäßig. Es entsteht keine wirkliche Verbindlichkeit. Sobald es emotional ernster wird, zieht sich Ihr Gegenüber zurück. Und Sie fragen sich: Warum verliebe ich mich immer wieder in die falschen Männer?

Wenn Sie sich in diesem Muster wiedererkennen, hat das in aller Regel viel weniger mit Zufall zu tun, als Sie vielleicht glauben. Und auch weniger mit Pech.

Anziehung folgt inneren Mustern - wie Beziehungsmuster entstehen

Was (und wer!) uns anzieht, entsteht nicht im luftleeren Raum. Wir reagieren auf Menschen nicht nur aufgrund dessen, was wir bewusst suchen, sondern auch aufgrund dessen, was sich für uns vertraut anfühlt. Und genau darin liegt oft der entscheidende Punkt. Denn Vertrautheit und Passung sind nicht dasselbe.

Frauen, die sich immer wieder in emotional schwer erreichbare Partner verlieben, reagieren nicht zufällig auf solche Männer. Dahinter stehen in der Regel sehr stabile innere Bindungs- und Beziehungsmuster, die die sich über viele Interaktionserfahrungen (oft seit der Kindheit) aufgebaut haben.

Ein häufiger Hintergrund ist, dass für solche Frauen Verlässlichkeit in wichtigen Beziehungen meist nicht durchgehend gegeben war, entweder in ihrer Herkunftsfamilie oder in ihren späteren Partnerschaften (oder in beidem). Das muss nichts Dramatisches gewesen sein. Es reicht schon, wenn Nähe überwiegend als wechselhaft erlebt wurde: die Eltern zum Beispiel dem Kind gegenüber mal zugewandt, mal distanziert, mal verfügbar, mal entzogen.

Kinder lernen in solchen Konstellationen sehr früh, sich auf diese Unklarheit einzustellen. Sie haben ja keine Wahl. Sie entwickeln deshalb ein feines Gespür dafür, wann Nähe möglich ist und wann nicht. Gleichzeitig machen sie die Erfahrung, dass man selbst etwas dazu beitragen muss, um Verbindung aufrechtzuerhalten: sich anpassen, verständnisvoll sein, sich zurücknehmen, „es richtig machen“. Liebe und Zuwendung sind für diese Kinder nichts, was sie selbstverständlich und bedingungslos von den wichtigsten Bezugspersonen erwarten dürfen. Liebe muss man sich immer verdienen - und man kann sich niemals sicher auf sie verlassen.

Dieses Muster setzen Menschen als Erwachsene in ihren späteren Beziehungen häufig fort, allerdings nicht immer auf die gleiche Weise:

Gerade Frauen reagieren oft, indem sie sehr viel in ihre Beziehungen investieren. Sie spüren früh, wenn sich der andere zurückzieht, und versuchen, die Verbindung aktiv zu stabilisieren: durch Verständnis, Geduld, Gespräche, Entgegenkommen. Andere gehen aber auch einen scheinbar ganz gegenteiligen Weg. Sie wirken auf den ersten Blick unabhängiger, halten ihre Erwartungen zurück und geben sich in Beziehungen betont gelassen. Innerlich bleiben sie jedoch genauso stark an die Dynamik von Nähe und Distanz gebunden. Beiden Varianten ist gemeinsam, dass die Frauen sich stark an der Reaktion des Gegenübers orientieren. Ihre eigene emotionale Sicherheit hängt vor allem davon ab, ob es ihnen gerade gelingt, die Verbindung „am Laufen zu halten“.

In Beziehungen bedeutet das konkret: Nicht echte Verlässlichkeit eines Partners fühlt sich für Frauen mit einem derartigen Bindungsmuster vertraut an, sondern eine Mischung aus Nähe und Distanz. Interesse, das nicht ganz greifbar ist. Zuwendung, die nicht selbstverständlich bleibt. Genau diese Dynamik kann in solchen Frauen eine starke Anziehung auslösen - nicht, weil sie ihnen guttut, sondern weil sie etwas Bekanntes aktiviert. Und gleichzeitig damit eine innere Haltung, die sich ungefähr so beschreiben lässt:

  • „Wenn ich mich nur genug bemühe, wird/bleibt es stabil.“
  • Oder: „Ich darf jetzt nicht zu viel verlangen, sonst verliere ich ihn.“

Das Problem daran ist nicht nur, dass diese Rechnung selten oder nie aufgeht, sondern auch, dass sie die eigene Wahrnehmung langsam verschiebt. Verlässliche, klare Partner wirken dann auf diese Frauen schnell weniger spannend - nicht, weil sie es sind, sondern weil sie dieses vertraute Spannungsfeld eben nicht bedienen.

Warum sich verlässliche Männer oft weniger anziehend anfühlen

Wenn man diese Dynamik einmal verstanden hat, ergibt sich eine irritierende, aber wichtige Erkenntnis: Das, was sich für mich vertraut anfühlt, ist nicht automatisch das, was mir guttut.

Und umgekehrt gilt oft auch: Das, was stabil und verlässlich wäre, löst bei mir vielleicht zunächst weniger Resonanz aus.

Viele Frauen berichten an diesem Punkt von einem inneren Zwiespalt: Sie lernen einen Mann kennen, der interessiert ist, sich meldet, präsent bleibt - und stellen gleichzeitig fest, dass „der Funke nicht so richtig überspringt“. Stattdessen entsteht in ihnen ein Gefühl von Ruhe, das ungewohnt unspektakulär wirkt. Kein inneres Auf und Ab, kein ständiges gedankliches Kreisen. Und genau das kann Frauen dann irritieren und Gedanken auslösen wie: „Ist das jetzt schon alles?“ Oder: „Warum berührt mich das nicht stärker?“ Nicht, weil tatsächlich etwas fehlt, sondern weil es sich anders anfühlt als das, was man bisher als Anziehung erlebt hat. Irgendwie weniger prickelnd, nicht aufregend genug.

Was hier fehlt, ist oft nicht Substanz, sondern Spannung. Genauer gesagt: die Spannung, die durch Unklarheit entsteht. Durch das Nicht-Wissen, woran man ist. Durch kleine Zweifel, die die Aufmerksamkeit binden.

Wenn man über längere Zeit an genau solche Dynamiken gewöhnt ist, kann Verlässlichkeit sich zunächst ungewohnt anfühlen. Fast ein wenig „flach“ - nicht, weil sie es ist, sondern weil der innere Vergleichsmaßstab verschoben ist. Das kann dazu führen, dass stabile Partner vorschnell aussortiert werden, während diejenigen interessant bleiben, bei denen man innerlich stärker „in Bewegung“ gerät. Diese Bewegung wird dann oft mit Anziehung verwechselt. Tatsächlich ist sie aber nicht selten vor allem ein (Warn-)Signal dafür, dass ein bekanntes Muster aktiviert wurde - eines, das viel Energie bindet, aber wenig Sicherheit gibt.

Wie Sie beginnen können, dieses Muster zu verändern

Veränderung beginnt an dieser Stelle nicht mit einem neuen Verhalten, sondern mit einer anderen Form der Wahrnehmung. Der erste Schritt besteht darin, die eigene Reaktion genauer zu verstehen.

  • Woran merken Sie früh, dass Sie sich zu jemandem hingezogen fühlen?
  • Was genau spricht Sie an - und was davon ist Ihnen vielleicht von früher her vertraut?
  • Und umgekehrt: Wie reagieren Sie auf Menschen, die klar, zugewandt und verlässlich sind?

Oft lohnt es sich, genau dort genauer hinzusehen, wo Sie innerlich zögern oder vorschnell urteilen. Nicht, um sich zu etwas zu zwingen, sondern um die eigene Reaktion besser einordnen zu können.

Ein hilfreicher Perspektivenwechsel für Sie kann es sein, Anziehung nicht mehr automatisch als Signal für Passung zu verstehen, sondern als Hinweis auf Aktivierung. Das bedeutet natürlich überhaupt nicht, dass jede starke Anziehung problematisch ist. Aber sie ist eben auch nicht automatisch ein gutes Kriterium für eine tragfähige Beziehung.

Umgekehrt kann es sinnvoll für Sie sein, Menschen eine Chance zu geben, bei denen sich zunächst eher Ruhe als Intensität einstellt. Nicht blind, sondern aufmerksam und ganz bewusst:

  • Wie fühlt es sich an, mit jemandem Zeit zu verbringen, bei dem Sie nicht ständig interpretieren müssen?
  • Bei dem Sie nicht auf Signale warten, sondern sich auf das verlassen können, was tatsächlich da ist?

Gerade am Anfang kann es dabei hilfreich sein, zwei Ebenen bewusst voneinander zu trennen: Zum einen das unmittelbare Gefühl von Anziehung, und zum anderen die Frage, wie Sie sich in der Begegnung tatsächlich fühlen:

  • Fühlen Sie sich eher ruhig oder angespannt?
  • Eher sicher oder unsicher?
  • Eher bei sich oder gedanklich stark beim anderen?

Diese Unterscheidung wirkt auf den ersten Blick unspektakulär, ist aber oft ein entscheidender Schritt. Denn viele Frauen mit diesem Bindungsmuster sind so sehr daran gewöhnt, sich am Verhalten des Gegenübers zu orientieren, dass sie ihre eigene innere Reaktion erst verzögert oder gar nicht wahrnehmen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, den eigenen Impuls zum „Nachjustieren“ in Beziehungen etwas besser kennenzulernen. Vielleicht kennen Sie das: Der andere zieht sich leicht zurück - und in Ihnen entsteht sofort der Wunsch, etwas zu tun. Noch einmal schreiben, ein Gespräch suchen, Verständnis zeigen, die Situation klären. All das ist zunächst sehr nachvollziehbar. Und trotzdem kann es hilfreich sein, an genau diesem Punkt einmal kurz innezuhalten. Nicht sofort zu reagieren. Nicht sofort zu versuchen, die Verbindung zu stabilisieren. Sondern sich zu fragen: „Was passiert hier gerade eigentlich - und was macht das mit mir?“ Allein diese kleine Pause kann bereits etwas verändern. Sie verschiebt den Fokus weg vom anderen, hin zu Ihnen selbst.

Ein ruhiger Blick auf sich selbst

Sich aus solchen Mustern zu lösen, ist kein schneller Prozess, und auch alles andere als leicht. Seien Sie also bitte sehr geduldig und liebevoll mit sich selbst, wenn Sie jetzt vielleicht beginnen, ihr eigenes „Beuteschema“ in Sachen Partnerwahl zu hinterfragen. Es ist schon viel gewonnen, wenn Sie schrittweise anfangen, sich selbst in diesen Dynamiken klarer zu sehen. Viele Frauen beschreiben es als entlastend, die eigenen Reaktionen besser zu verstehen.

Genau da liegt oft der eigentliche Wendepunkt. Wenn Sie beginnen zu erkennen, was (oder wer!) Sie unbewusst anzieht, entsteht Schritt für Schritt mehr Spielraum. Es entstehen mehr Wahlmöglichkeiten. Nicht sofort, aber spürbar. Sie können dann entscheiden: Will ich dieses Muster weiterhin so leben? Tut mir das wirklich gut? Oder erlaube ich mir behutsam, mal andere (Beziehungs-)Erfahrungen mit einem mir momentan noch eher fremden Muster auszuprobieren?

Und manchmal ist genau das dann der Anfang von etwas Neuem.